Women we love: Mirjam

Wir finden beide, dass es unheimlich wichtig ist, dass wir Frauen uns gegenseitig (unter)stützen, voneinander lernen und uns immer wieder austauschen. Oder wie es ein Zitat von Erica Cook treffend ausdrückt:

I’m not interested in competing with anyone. I hope we all make it.

Deshalb möchten wir unseren Blog nutzen, um euch hin und wieder Frauen vorzustellen, die unserer Ansicht nach etwas Aufmerksamkeit verdient haben. Den Start machen wir heute mit der bezaubernden Mirjam, Inhaberin der Boutique Le Clou. Wir haben sie in ihrem Laden besucht und die Gelegenheit genutzt, ihr zig Fragen zu stellen.

♥ Erzähl uns deinen Werdegang.
Über Umwege kam ich zu einer Lehre als Damenschneiderin. Ich wusste, dass ich auf keinen Fall ins Büro möchte und dass ich kreativ tätig sein wollte. Zwei Monate vor Ende der Schulzeit wies mich meine Mutter auf ein Inserat als Damenschneiderin hin, da ich schon als Kind meinen Barbies Kleidchen genäht habe und tatsächlich bekam ich dort, noch so kurzfristig, eine Lehrstelle. Nach Abschluss der Lehre machte ich ein einjähriges Praktikum bei einer Schweizer Designerin – ich durfte mit auf Messen nach Paris, war bei grossen Einkäufen dabei und habe wahnsinnig viel dazu gelernt. Anschliessend studierte ich während drei Jahren berufsbegleitend Schnitttechnik an der Schweizerischen Textilfachschule. Es ist unglaublich, wie viel Arbeit notwendig ist, damit ein Kleidungsstück möglichst vielen Körperfiguren passt.
Während des Studiums bewarb ich mich in einem Abend- und Brautmodegeschäft als Schneiderin. Dort lernte ich wie man eine kleine Firma führt. Nach zehn Jahren verliess ich dieses Geschäft und machte rund ein Jahr nichts – also nichts Fixes jedenfalls. Ich nutzte die Freiheit zu reisen, übernahm einzelne Aufträge, die ich zu Hause erledigen konnte und begann dann eine Teilzeitstelle im Verkauf bei Modissa in Zürich.

Bereits als Kind habe ich meinen Barbies Kleidchen genäht.

♥ Warum nur Teilzeit?
Es war für mich klar, dass ich noch andere Projekte verfolgen wollte. So zum Beispiel meinen Teeshop (mehr dazu weiter unten) und private Nähaufträge, da ich einige Stammkunden habe, die mir ihre Kleidungsstücke für Änderungen oder Anpassungen bringen.

Ich bin eigentlich sehr strukturiert, aber wenn ich spüre, dass etwas gut ist, überlege ich nicht lange und mache es einfach.

♥ Schneiderst du auch ganze Abendkleider von A bis Z?
Nein, nein. Oder anders gesagt: Wenn jemand den Preis, welchen man dafür in der Schweiz verlangen müsste, bezahlen würde, würde ich das selbstverständlich machen!
Unterdessen kaufen leider viele ihre Kleider im Ausland. Das finde ich sehr schade… Die Schweiz funktioniert nicht, wenn man nicht hier einkauft, was ein sehr heikles Thema ist. Auch ich habe bereits online geshoppt, aber seitdem ich meine eigene Boutique besitze, verstehe ich, wie der Branche damit geschadet wird.

♥ Du hast es bereits erwähnt. Nebst dem Schneidern hast du eine andere Leidenschaft: Tee.
Ja, ich führe einen Online-Teeshop. Auch dazu kam es ziemlich spontan! Ich bin eigentlich sehr strukturiert, aber wenn ich spüre, dass etwas gut ist, überlege ich nicht lange und mache es einfach. Ich war an einem Weihnachtsmarkt in München und sehr fasziniert von all diesen Teehäuschen. Zurück in Zürich machte ich mich dann auf „Teesuche“ und stiess auf mehrere Onlineshops – hübsch, aber eher alternativ, irgendwie selbstgebastelt und für mich nicht so ansprechend.
So beschloss ich ein wenig Geld zu investieren, fand jemanden, der mir eine Webseite erstellte und schaute mich nach Teelieferanten um. Mein Teeshop, L’Artea, war geboren. Neben meiner Boutique bleibt mir allerdings nicht mehr viel Zeit für den Teeshop, ich habe jedoch ein paar fixe Deals…

♥ Und nun endlich zu deiner Boutique Le Clou. Wie kam es dazu?
Auch das ist eine spezielle Geschichte… Eine Bekannte erzählte mir von einer Boutique, die eine Schneiderin suchte. Zu diesem Zeitpunkt wäre dies aber keineswegs in Frage gekommen, deshalb dachte ich auch nicht weiter darüber nach. Ein Jahr später bekam ich dann einen Anruf von derselben Bekannten, die klagte, dass die Boutique wohl schliessen würde, da die Inhaberin zu ihrer Jugendliebe nach London ziehen würde. Aus dem Bauch heraus entschied ich mich wenigstens mal vorbei zu gehen. Ich traf mich also an einem Samstagnachmittag, kurz vor Ladenschluss, mit der damaligen Geschäftsführerin. Diese bediente noch eine Kundin, welche zum ersten Mal in der Boutique war. Währenddem sich die Kundin umschaute, unterhielt ich mich mit der Inhaberin. Die Kundin bekam mit, dass Le Clou wahrscheinlich schliessen muss und schaltete sich ins Gespräch ein,  sie fände es so schade, habe sie diesen Ort doch gerade erst entdeckt. Dann sah sie mich an und schlug vor, dass ich diesen Laden übernehmen solle – ohne mich zu kennen, ohne zu wissen, was ich arbeite… Das war ein Zeichen!
Ich lief aus dem Laden und hatte gedanklich meinen Job bei Modissa bereits gekündigt. Und da gab es ja noch diesen Mann…

♥ Ein Mann? Da musst du uns mehr verraten..!
Kurz davor lernte ich diesen einen Mann durchs Tanzen kennen, eine Leidenschaft, die uns verbindet. Weder er noch ich waren auf der Suche nach einer Beziehung, wir tanzten einfach oft miteinander und führten immer wieder lange Gespräche. Da er selbständig ist, sprachen wir auch übers „Business“ – seltsamerweise habe ich ihm sogar als erstes von der Idee, Le Clou zu übernehmen, erzählt und er wurde diesbezüglich schnell zu meinem Ansprechpartner – und im Laufe der Zeit zum Mann an meiner Seite.

Eines meiner Ziele ist es, langfristig Marken in die Schweiz zu bringen, die es hier sonst nicht gibt.

♥ Nun bist du seit über einem halben Jahr Besitzerin des Le Clou…
Ich habe mich wunderbar eingelebt. Der bestehende Kundenstamm hat mich sehr gut aufgenommen, ich durfte bereits einige neue Kundinnen dazu gewinnen und mache weiterhin Änderungen und Anpassungen. Das muss ich allerdings zu Hause erledigen, da die Boutique dafür schlicht zu klein ist. Ich bin aber ohnehin daran gewöhnt sechs Tage die Woche zu arbeiten, deshalb nutze ich den Montag, wenn die Boutique geschlossen ist und mache dann die Schneiderarbeiten. Ausserdem kümmere ich mich um die Buchhaltung und den Einkauf.
Die Einkäufe machen die Vorbesitzerin und ich noch gemeinsam. Und ich bin froh und dankbar, dass das so gut funktioniert. Es gibt jeweils zwei grosse Einkaufsrunden pro Jahr und zwei weitere kleinere. Die Kleinen mach ich jeweils allein.
Eines meiner Ziele ist es, langfristig Marken in die Schweiz zu bringen, die es hier sonst nicht gibt.

♥ Wie wählst du die Kleider aus?
Grundsätzlich wähle ich selbstverständlich Dinge, die mir selbst gefallen und die ich auch tragen würde – allerdings muss man schon bedenken, dass nicht alle Frauen Grösse 34/36 tragen und nicht alle dieselben Farben, bzw. den selben Stil mögen. Normalerweise kaufe ich von jedem Modell nur fünf Stück (von Grösse 34 bis 42 je ein Stück), eher selten mal eine Grösse doppelt.

Im Allgemeinen sollte man seinem Stil unbedingt treu bleiben.

♥ Deine Kleidungsstücke sind also sehr exklusiv?
Jein. Es ist natürlich möglich, dass andere Boutiquen dieselben Modelle verkaufen – allerdings ist bei der grossen Auswahl im Einkauf eher unwahrscheinlich, dass das häufig vorkommt.

♥ Was ist für dich, modisch gesprochen, das absolute Must-have?
Für diesen Sommer ganz klar Culottes, die fast in Richtung Rock gehen und 7/8-Länge haben. Ein weiteres grosses Thema sind helle Farben: helles Blau, helles Rosa…
Diesen Winter sind leuchtende Farben in, was mich, als Liebhaberin bunter Farben, unheimlich freut.
Ganz allgemein bin ich Fan davon, qualitativ hochwertige Kleidung zu kaufen, die dabei zeitlos ist und immer wieder neu kombiniert werden kann. Das spricht zwar etwas gegen mein Business, ich weiss… Wenn man aber einige gute Basics im Schrank hat, kann man immer wieder neue Teile, bei mir zum Beispiel, kaufen und so Altem neues Leben einhauchen. Zu den Basics gehören für mich auf jeden Fall Blazer und Jeans. Im Allgemeinen sollte man seinem Stil unbedingt treu bleiben.
Hält man sich an diese Grundregel, kann man sich in jeder Saison einige neue Teile zulegen, die dann ebenfalls wieder in den bestehenden Kleiderschrank passen – auch wenn Schnitt oder Farbe vielleicht neu sind.

♥ Wo kaufst du ein?
Als Boutiquebesitzerin wäre es seltsam, wenn ich keine Kleider aus meinem eigenen Laden tragen würde. Immerhin werde ich häufig gefragt, ob es genau dieses Teil in meiner Boutique gibt… Allerdings stehe ich auch unheimlich auf Schuhe und die kaufe ich in anderen Boutiquen, oft sogar in anderen Ländern, ein.

♥ Ibiza ist aus deinem Leben nicht wegzudenken, gibt es Pläne etwas Ibiza ins Le Clou zu bringen?
Ich hab da schon einige Ideen im Hinterkopf, sowohl in Sachen Einrichtung wie auch in Sachen Mode… Viel mehr möchte ich aber noch nicht verraten.

Grundsätzlich kann man sich schon darauf verlassen, dass man mit dem Preis nicht nur die Marke, sondern eben auch die Hersteller unterstützt.

♥ Was machst du mit Kleidungsstücken, die du nicht mehr trägst?
Ich verschenke sie meinen Freundinnen oder bringe sie in Secondhand-Läden. Generell bin ich gegen Verschwendung von Dingen, deshalb werfe ich auch keine Kleidungsstücke weg. Ausserdem achte ich bereits beim Einkauf (privat und geschäftlich) auch auf die Produktionsländer – Es gibt so viel qualitativ gute Kleidung, die in Europa oder Nordafrika hergestellt wird. Lange Verschiffungswege machen einfach keinen Sinn.
Dem Kunden sollte auch stets bewusst sein, dass bei sehr günstiger Kleidung die Rechnung einfach nicht aufgehen kann: Wenn ein T-Shirt im Laden beispielsweise 15 Franken kostet, dann will ich ehrlich nicht wissen, wer das unter welchen Umständen hergestellt hat und noch weniger möchte ich das unterstützen, sprich weder kaufen, noch verkaufen. Grundsätzlich kann man sich schon darauf verlassen, dass man mit dem Preis nicht nur die Marke, sondern eben auch die Hersteller unterstützt.

♥ Wenn du dich in drei Worten beschreiben müsstest..?
Ich bin sehr zielstrebig, unheimlich emotional und ziemlich sensibel.

♥ Was machst du privat am Liebsten?
Ich liebe es, Zeit mit meinem Partner, meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen, Salsa zu tanzen (und zu unterrichten) und nach Ibiza zu fliegen.

Privat wäre es schön zu heiraten und Kinder zu haben.

♥ Wo siehst du dich in fünf Jahren?
Ich hoffe, dass ich noch immer in diesem Business tätig bin, vielleicht sogar ein bisschen grösser, da ich hier ein grosses Potential spüre. Ob „grösser“ bedeutet, dass ich einen grösseren Laden betreibe oder die Kleidung zum Beispiel auch online anbiete, kann ich allerdings noch nicht sagen. Privat wäre es schön zu heiraten und Kinder zu haben.

♥ Vielen lieben Dank für das tolle Gespräch!

R&L

Das könnte dir auch gefallen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.