Women we love: Simone

Women we love: Simone

… oder zwischen Mamisein und Selbständigkeit.

Heute möchten wir euch endlich mal wieder eine Frau vorstellen, die ein Crush von uns ist: Simone. Re kennt sie seit rund 30 Jahren, da sie gemeinsam die ersten beiden Jahre der Gymischulbank drückten. Dazwischen haben sich beide aus den Augen verloren, Instagram sei Dank aber wiedergefunden. Seit einigen Monaten unterstützt Simone Re mittels Personaltraining in erster Linie beim Problem „Rektusdiastase“ und beim Projekt „Wiederaufbau der Vorschwangerschaft-Figur“.

♥ Erzähl uns von deinem Werdegang.
Ich bin nach der Primarschule ins Langzeitgymi und ab der dritten Klasse ins musische Gymnasium. Bereits damals war mir bewusst, dass ich später Physiotherapeutin werden wollte. Ich war schon immer sehr sportlich und musste deshalb, wegen meinem Rücken, selbst häufig in die Physiotherapie. Mein Plan B wäre ein Geschichtsstudium an der Uni Zürich gewesen.
Ich entschied mich dann aber doch für die Physiotherapie und machte eine ganz klassische Ausbildung. Nach vier Jahren Ausbildung, inklusive Erasmusprojekt in Holland, spezialisierte ich mich auf Sportphysiotherapie. Darauf folgten einige Jobs in Zürich und Chur.
Anschliessend machte ich noch ein Masterstudium für Sportphysiotherapie in Salzburg.

♥ Du arbeitest heute aber nicht mehr primär als Physiotherapeutin…
Das stimmt. Heute bin ich selbstständig. Ich habe eine eigene Konkordatsnummer als Physiotherapeutin, arbeite aber im Moment nicht in einer Praxis, sondern mit einzelnen Privatkunden, bzw. Athleten. Aktuell sind es etwas 30 Personen, die ich behandle.

Der Drang nach noch mehr Selbstständigkeit war aber gross!

♥ Wie war dein Weg in die Selbstständigkeit?
Nach meinem zweiten Kind habe ich zunächst gar nicht gearbeitet. Nach dem Wiedereinstieg in einer kleinen Praxis wurde mir bewusst, dass ich so nicht mehr arbeiten möchte und selber meinen Weg gehen muss. Ich habe mich dann auf Pilates konzentriert und eine Intensivausbildung dazu gemacht.
Ich durfte in einem bekannten Pilatesstudio arbeiten, in welchem auch Ausbildungen angeboten werden. Bereits dort arbeitete ich auf selbstständiger Basis. Der Drang nach noch mehr Selbstständigkeit war aber gross!
So habe ich mich vor einem Jahr – in Coronazeiten – selbstständig gemacht.
Diese Umstände haben gewisse Verzögerungen mit sich gebracht und ich weiss nicht, wohin das Ganze führen wird… Mein Schwerpunkt liegt aktuell auf Pilates, eventuell richte ich mir aber doch noch einen fixen Physioraum ein.

♥ Wie sieht dein Arbeitsalltag als Selbsständige mit mehreren Standbeinen und Mami von zwei Kindern aus?
Da muss ich ein bisschen ausholen: Bevor ich Kinder hatte, hatte ich wirklich meinen Traumjob. Ich hatte eine Leitungsposition in einem Swiss Olympic Zentrum in Zürich, die mich beruflich gesprochen völlig ausfüllte. Aber wie das als Mama dann so ist, wird es schwierig mit einer Teilzeitanstellung eine Leitungsfunktion weiterzuführen. Ausserdem bin ich sehr perfektionistisch und da ich alle Aufgaben „richtig“ machen wollte, war ich dem Ganzen nicht mehr gewachsen. Ich habe es nicht geschafft, meine Mamirolle und die Leitungsfunktion zu meiner Zufriedenheit zu vereinbaren.  So entschied ich mich, Teile meiner Funktion abzugeben nur noch einen Bereich in der Leitung zu führen. Dann kam mein zweites Kind und ich merkte, dass es für mich so gar nicht mehr geht. Ich kündete von mir aus den Job und blieb zuhause.

Ich wusste, dass die Zeit kommen würde, wo ich meine beruflichen Träume und Ziele verwirklichen kann

Mein Mann war beruflich oft unterwegs, manchmal auch für längere Phasen im Ausland. Dann war ich mit unseren beiden Kindern alleine zuhause und hatte ohnehin genug zu tun. Eine externe Betreuung wollte ich nicht unbedingt. Ich wusste, dass die Zeit kommen würde, wo ich meine beruflichen Träume und Ziele verwirklichen kann. Als die Kinder 4 bzw. 6 Jahre alt wurden, begann ich dann auch wieder mehr Freiheiten zu haben.

Grundsätzlich gilt aber, dass mein Alltag oft variiert. Heute morgen ist mein Mann beispielsweise für mehrere Tage ins Ausland gegangen. Ich habe die Kinder also für die Schule fertig gemacht. Anschliessend habe ich die Zeit für mich genutzt, um eine Stunde joggen zu gehen. Ich habe nämlich gelernt, dass ich sehr auf mich achten muss und es mir gut gehen muss, damit ich für meine Familie und den Job da sein kann.
Um 9 Uhr habe ich einen Online-Kurs geleitet. Nachher musste ich einige administrative Dinge erledigen, was natürlich auch dazu gehört.
Dann war es bereits wieder Zeit, das Mittagessen für die Jungs vorzubereiten. Am Nachmittag widmete ich mich dem Haushalt und fuhr dann zu dir – Re – um dir eine Trainingsstunde und dieses Interview zu geben.
Abends, nach der Schule, kommen dann noch die Termine der Jungs dazu, zu welchen ich sie momentan noch chauffieren muss.
Grundsätzlich muss ich meinen Alltag zur Zeit immer wieder anpassen und flexibel bleiben.

♥ Wie viel Prozent arbeitest du ungefähr?
Coronabedingt ist es leider weniger als ich möchte. Ich habe aber Glück, dass „meine“ Athleten alle trainieren und ich Kurse online anbieten kann. Ich bin wohl bei ca. 20 bis 30 %, denke aber, dass es 40 % werden sollten.

♥ Arbeitest du jeden Tag?
Es kommt vor, dass ich notfallmässig am Samstag arbeite. Eine Kunstturnerin hatte letztes Wochenende so starke Schmerzen, dass sie mich anrief und fragte, ob sie vorbeikommen könne. Oder wenn zum Beispiel die Schwimmer, welche ich betreue, eine Wettkampfphase haben, wird es auch intensiver. Im Normalfall bleibt das Wochenende aber eher für die Familie frei.

♥ Du bist verheiratet, hast zwei Kinder – die kommen ja irgendwo her. Erzähl uns von deinem Mann und eurer Geschichte.
Unsere Geschichte ist ziemlich witzig. Ich lebte – ursprünglich wegen einem anderen Mann – noch jobbedingt in Chur und wollte ehrlich gesagt gar niemanden kennenlernen, da ich wusste, dass ich bald nach Zürich ziehen würde. Just zu dieser Zeit habe ich Marc – meinen Mann – kennengelernt. Er verschwand dann aber direkt für drei Monate nach Amerika, wo sein damaliger Wohnsitz war. Etwas später lebten wir in einer Fernbeziehung zwischen Ascona und Chur. Ich zog dann nach Zürich zurück, was die Distanz noch vergrösserte. Schlussendlich zogen wir nach ungefähr drei Jahren zusammen und sind jetzt im Zürcher Oberland gelandet, wo ich aufgewachsen bin. Meine Eltern wohnen auch hier und ich bin sehr froh, um ihre Unterstützung.

Es war oder ist heute noch immer ein wenig Frühling, wenn wir uns wiedersehen.

♥ Fernbeziehungen sind ja bekanntlich schwierig. Was ist euer Geheimnis, dass es funktioniert hatte?
Das Grundelement, welches unsere Beziehung prägt, ist das bedingungslose gegenseitige Vertrauen. Ausserdem haben wir uns immer unser eigenes Ding machen und den eigenen Weg gehen lassen. Es war, bzw. ist heute noch immer ein bisschen wie Frühling, wenn wir uns wiedersehen.

♥ Du wolltest keine externe Betreuungslösung für deine Kinder…
Das stimmt nicht ganz: Unser erster Sohn war einen Tag pro Woche in der KiTa. Für mich war diese Lösung aber nicht zufriedenstellend. Ob es an mir oder an der Krippe lag, kann ich nicht genau sagen. Die Umstände stimmten einfach nicht… Der Zweite war bis zum Kindergarten auch einen Tag in der KiTa, aber in einer anderen. Wir haben das Glück, dass meine Familie so nah wohnt und wir oft auf ihre Unterstützung zählen können. Ausserdem haben wir eine zuverlässige Babysitterin, die auch spontan einspringen kann.
Ich bemühe mich aber, meine Termine so zu legen, dass es die Kinder nicht tangiert. Wenn mein Mann zuhause ist, dann bin ich komplett frei und kann meine Stunden halten oder die Athleten betreuen.

♥ Wie sportlich ist eure Familie?
Mein Mann lebt es total vor und macht sehr viel mit den Jungs. Als Familie unternehmen wir auch viel und sind aktiv. Unsere Jungs sind aber sehr verschieden, was es nicht so einfach macht. Alle spielen aber gerne Golf!
Grundsätzlich bemühen mein Mann und ich uns den Kindern viele Möglichkeiten zu zeigen und ihre Selbstmotivation zu wecken, ohne sie dabei zu pushen.
Der Kleine geht ins Kunstturnen, der Grosse spielt Tennis und beide mögen Skifahren, Eishockey und Golf.

Aber wenn ich mal nichts mache, dann hat mein Mann bereits was gemacht.

♥ Gibt es auch Tage, an denen ihr keinen Sport betreibt?
Nein, eigentlich nicht. Wenn ich mal nichts mache, dann hat bestimmt mein Mann bereits was gemacht. Wir schlafen zum Beispiel auch nie aus. Ich hole mir meine Energie im Sport mit Pilates, Joggen, Yoga, …

♥ Was wünschst du dir beruflich?
Ich habe sehr viele Ziele und möchte noch mehr Projekte verwirklichen! Ich habe da so einiges im Hinterkopf, wie ein eigenes Buch oder eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Verbänden.

♥ Was gibst du einem Mami mit, welches sich ebenfalls machen möchte?
Ich sehe viele Mamis, die im gleichen Job bleiben, womöglich noch zu einem grossen Prozentsatz, weil das eine Mutter heutzutage einfach so macht. Ich glaube aber, dass es ein Umdenken, bzw. den Mut braucht, in sich hinein zu hören, um zu merken, was man wirklich möchte und braucht.
Glaubt daran, dass ihr euren Weg schafft! (Ich trage immer mein Mantrarmband, auf welchem steht: „She believed she could“.)
Selbstverständlich ist auch eine solide Grundlage durch Aus- oder Weiterbildung und eine gewisse Erfahrung in einem Bereich ein Muss.

Wer noch mehr wissen möchte, hier geht’s zu Simones Homepage.

♥ Vielen lieben Dank für das tolle Gespräch!

R&L

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