Alltagsgeschichten: Ein Tattoo für Re…

Alltagsgeschichten: Ein Tattoo für Re…

… oder kein Ende in Sicht.

Ich, Re, habe sieben Tattoos: auf dem rechten Fuss, am Rücken, an der linken Hand, am linken Arm, auf der linken Seite. am rechten Armgelenk und beim rechten Schlüsselbein.

Ich wollte schon immer eines, brauchte aber 27 Jahre um mir diesen Wunsch zum ersten Mal zu erfüllen. Schuld daran war das fehlende Motiv. Immerhin war mir schon immer klar, dass ich mir nicht einfach ein Röschen oder sowas irgendwohin stechen lassen wollte. Eines morgens wachte ich auf und wusste „Hundepfoten“ – das ist mein Motiv. Gesagt, getan. Nach vier Monaten Wartezeit marschierte ich eines Nachmittags in Joe’s Tattooladen und war zehn Minuten später stolze Hundepfotenträgerin.
An dieser Stelle muss ich allerdings anmerken, dass das Stechen höllisch weh getan hat. Echt jetzt! Als ob man eine offene Wunde hätte und jemand unaufhörlich mit dem Zahnstocher darin rumwuseln würde. Richtig schmerzhaft und unangenehm.
Und trotzdem, kaum hatte ich das Studio verlassen, war tatsächlich mein erster Gedanke: „Und was lass‘ ich mir als nächstes wohin stechen?!“. Ich weiss, dass das ziemlich verrückt und schräg ist, aber es war tatsächlich so.
Zwei Jahre später war’s dann soweit: Das nächste Motiv war gefunden und die Stelle am Körper ausgesucht: Fünf Worte (Segen, Gesundheit, Vermehrung des Guten, Liebe, Wunder) auf meinem Rücken in hebräischer Schrift.
In Israel hängen diese Worte (oder sinngemässe plus Glück, Erfolg, Reichtum und die Hamsaan vielen Türen oder irgendwo in der Nähe des Hauseingangs und mir schien es schön, ebendiese auf meinem Rücken zu haben (so quasi als Rückendeckung ;-)). Mein Papa jaulte auf, als er von diesem Plan erfuhr, von wegen ich könnte von Neonazis abgestochen, oder von Terrorgruppen erschossen werden, aber für mich stand fest, dass dies auf meinen Rücken gehörte – jetzt. Einige Monate später fand ich mich daher in einem neonbeleuchteten Keller irgendwo in Israel wieder, wo ein voll-gepiercter-Gothic-Verschnitt zu Rammsteingekreische meinen Rücken während drei ( D R E I ! ! !) Stunden malträtierte. Nach zwei Stunden war ich mir sicher, dass ich vor Schmerz bald umkippen würde und hätte ich gekonnt, hätte ich ihm dafür eine reingehauen. Aber ihr ahnt es schon, als ich den Keller endlich wieder verlassen durfte, hatte ich erneut nur einen Gedanken im Kopf: „Welches Motiv wohin?!“
Ich hab‘ weder das eine noch das andere Tattoo je bereut. Im Gegenteil, sie gehören zu mir und ich freue mich immer, wenn es wieder wärmer wird und ich sie ab und zu zeigen kann.
Beim hebräischen sind selbst die prophezeiten Beschimpfungen ausgeblieben – sollte sich je jemand darüber aufgeregt haben, dann im Stillen oder so, dass ich nichts davon mitbekommen habe. In Miami wurde ich sogar täglich darauf angesprochen und gefragt, was es zu bedeuten hätte, in Israel reagieren ganz viele Menschen positiv überrascht und freuen sich darüber (obschon Tätowierungen im Judentum an sich streng verboten sind). Es ist aber tatsächlich so, dass ich so gut wie nie in arabischen Ländern unterwegs bin, und falls doch, würde ich es grundsätzlich bedecken.
Mittlerweile habe ich übrigens sieben Tattoos: eine kleine Hamsa an der linken Hand, mein Hochzeitsdatum auf der linken Rippenseite, die Namen meiner Jungs am linken Unterarm, einen Spruch am rechten Armgelenk und ein Tiny-Herz am rechten Schlüsselbein. Die jüngsten beiden kamen im letzten Herbst dazu und ich weiss jetzt schon, was ich mir als nächstes stechen lassen werde – aber darüber berichte ich dann, wenn es soweit ist.

Wie seht ihr das? Tattoos ja oder nein und weshalb?

R&(L)

1 Comment

  • Bluhnah
    2 Wochen ago

    Sehr schöne Tattoos 🙂
    Meine Haut zieren 4 Tattoos und demnächst möchte ich mir Hundepfötchen stechen lassen.
    Den Tattooschmerz finde ich irgendwie geil…

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