Women we love: Patricia

… oder eine Mama zwischen Tortenböden und Buttercrème.

Den Anfang dieser Serie, haben wir hier mit Mirjam gemacht. Heute möchten wir euch die bezaubernde Patricia von boumbelle vorstellen: Dreifach-Mama, Ehefrau, Freundin und Geschäftsfrau.
Lisa und Patricia kennen sich schon ihr halbes Leben lang und Patricias jüngere Tochter ist Lisas Patenkind.

♥ Schön hast du dir Zeit genommen, zwischen Cupcakes verzieren und Tortenböden backen, ein Interview mit uns zu führen. Aber mal ehrlich, hat dein Tag 25 Stunden oder wie schaffst du das alles?
Mit sehr viel Hilfe! Also nein, selbstverständlich hat auch mein Tag keine 25 Stunden. Ich bin jedoch gut organisiert und habe viel Hilfe im Hintergrund.
Als erstes ist da mein Mann, der mir öfters helfen muss. Er hat mich zum Beispiel am letzten Freitag zu einem Auftrag chauffiert, weil ich die Nächte zuvor durchgearbeitet habe und total übermüdet war.
Ausserdem sind meine Eltern eine riesen Unterstützung. Auch die Patentanten und -onkel meiner Kinder haben wir gut ausgesucht und meine Kinder werden einige Tage pro Woche fremdbetreut.

♥ Was ist boumbelle?
Boumbelle ist vor allem ein Herzensprojekt. Vor ein paar Jahren habe ich mit dem Backen begonnen und gemerkt, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig kreativ sein kann. Heute dreht sich bei boumbelle alles rund ums Thema Feiern. Das Angebot reicht von Sweettables und Torten bis hin zu Apéros, Hauptgängen für eine kleine Anzahl Personen, Dekoration und Giveaways. Also alles, was es für einen Event – Kindergeburtstag, Hochzeit, Betriebsfest, Weihnachtsapéro – braucht…
Es hat keinen Anfang und kein Ende. Sobald man miteinander feiern möchte, kann man mich engagieren.

♥ Wir wissen von dir, dass du keine „Süsse“ bist. Warum zauberst du also ausgerechnet Torten, Cupcakes & Co. ?
Weil ich gerade in diesem Bereich wirklich kreativ sein kann. Ich finde es schön, wenn die Dinge, die ich mache, einen Nutzen haben. Sie werden gegessen und sind dann weg, sodass ich wieder etwas Neues gestalten kann. Ich mag keine Dinge, die einfach rumstehen. Torten sind diesbezüglich sehr praktisch: Sie sind meine Leinwände, die ich immer wieder neu „bemalen“ kann und sie werden bei vielen Gelegenheiten gebraucht. Warum ausgerechnet süss? Ich backe zwar auch Salziges, aber Torten, Cupcakes und Macarons sind niedlich und können dazu beitragen ein Fest noch schöner zu machen – im Gegensatz zu einer Pizza oder einem Pestokranz…

Ich finde es schön, wenn die Dinge, die ich mache, einen Nutzen haben.

♥ Du warst nicht immer Cupcake-Bäckerin und Torten-Designerin… Erzähl uns von deinem Werdegang.
Studiert habe ich Kommunikation an der HWZ in Zürich. Es war ein Teilzeitstudiengang und parallel dazu, habe ich in einer PR-Agentur im Kommunikationsbereich gearbeitet. Zu unseren Kunden zählten beispielsweise Nike, Gatorade, Falke, Waterman… Nach zweieinhalb Jahren habe ich den Arbeitgeber gewechselt und war dann vor allem für die interne Kommunikation tätig: Ich habe einen Blog aufgebaut, die Twitterseite unterhalten und einen Newsletter gestaltet.
Während des Studiums habe ich mein erstes Kind bekommen, an der Diplomfeier war ich mit dem zweiten Kind schwanger und irgendwann kam dann noch der Dritte. Während dieser Zeit habe ich durchgehend gearbeitet, aber nach dem dritten Kind konnte ich nicht mehr in die Firma zurück. Daher musste ich mich zu diesem Zeitpunkt entscheiden, ob Tortenbacken mein Hobby bleibt und ich mir einen neuen Job suche, welcher wohl mein Hobby in Kombination mit drei Kindern nicht mehr erlaubt hätte, oder ob ich den Schritt in die Selbständigkeit wage.
So entschied ich mich für Letzteres und bereue es keine Sekunde!

♥ Was hat sich verändert, seitdem du selbstständig bist?
Alles! Wir waren vor meiner Selbständigkeit zu Hause klar strukturiert. Die Kinder wurden morgens in die Krippe gebracht, wir gingen beide arbeiten und am Abend wurden die Kleinen wieder abgeholt.
Danach assen wir gemeinsam und brachten die Kinder ins Bett. Am nächsten Tag ging’s dann von vorne los. Natürlich mit Ausnahme der Tage, an welchen ich zuhause war. Ich habe immer 60% gearbeitet und war an den übrigen Tagen Vollzeitmama.
Unterdessen sind meine beiden Grossen in der Schule oder im Kindergarten, was den Tagesablauf sowieso total verändert. Sie kommen mittags nach Hause und ich muss dadurch viel flexibler sein.
Ausserdem kommen meine Aufträge rein, wann sie wollen… Ich kann deshalb nicht „8 to 5“ arbeiten, dafür habe ich einen Arbeitsweg von 20 Sekunden.
Die finanzielle Situation hat sich natürlich auch verändert. Mein Einkommen ist alles andere als regelmässig und ich arbeite oft an den Wochenenden –  das habe ich vor der Selbstständigkeit nie gemacht.
Und trotzdem war es die beste Entscheidung.

Ich kann nicht 8 to 5 arbeiten, dafür habe ich einen Arbeitsweg von 20 Sekunden.

♥ Ein Arbeitsweg von 20 Sekunden?
Wir hatten das Glück, dass wir vor zweieinhalb Jahren mein Elternhaus übernehmen konnten. Ich habe die Chance genutzt und mir im Untergeschoss mein Atelier eingerichtet. Boumbelle gehört also eine ganze Etage – ein kleines Büro und eine neue Küche, die ich einbauen liess.
Alles, was ich für boumbelle erschaffe, geschieht in einem abgeschlossenen Raum, was lebensmitteltechnisch sehr wichtig ist, insbesondere auch weil ich natürlich vom Lebensmittelinspektorat kontrolliert werde.
Mit kleinen Kindern wäre alles andere unmöglich! Da würde öfters mal eine Torte angeleckt oder ein Cupcakes spurlos verschwinden… So habe ich aber wirklich meinen eigenen Raum, welcher für meine Kinder grundsätzlich tabu ist.
Auf demselben Stock haben die Kleinen ein Spielzimmer. Wenn ich also trotz Kinderbetreuung backen muss, dürfen sich die Kids dort austoben oder Hausaufgaben machen.

Mit kleinen Kindern wäre alles andere unmöglich! Da würde öfters mal eine Torte angeleckt…

♥ Bleiben wir bei deiner Familie. Wer gehört dazu?
Zu meiner Kernfamilie gehören fünf Personen: Ich habe drei Kinder. Der Jüngste ist 2.5, die Mittlere ist 5, die Grösste ist 6. Dann noch mein Mann und ich.
Rund um uns gibt es aber noch „viel Familie“, die für uns da ist und zur Not auch einspringt.

♥ Deine älteste Tochter kam zur Welt, als du noch im Studium warst. Was hat sich für dich durchs Mamawerden verändert?
Die grösste Veränderung für mich war der Verlust meiner Selbstständigkeit. Ich konnte nicht mehr nur für mich alleine entscheiden und es bestand eine grosse Abhängigkeit zwischen mir und meinem Kind. Das war für mich wohl am schwierigsten und bereitete mir als frisch gebackene Mama am meisten Mühe. Plötzlich lebt man 24 Stunden, 7 Tage die Woche für und mit dem Kind.
Es stand für mich nie zur Diskussion meinen Job aufzugeben und „nur“ noch Mama zu sein und ich denke, dass ich auch keine „typische Mama“ bin. Das meine ich keinesfalls abwertend! Ich persönlich entfalte mich einfach nicht vollumfänglich in meiner Mutterrolle. Damit meine ich nicht das Zusammensein mit meinen Kindern – das liebe ich – sondern die reine Betreuung der Kinder.
Ich brauche etwas, das mich zusätzlich fordert, ein Ziel. Dieses Ziel war mit der Geburt meiner ersten Tochter irgendwie nicht mehr vorhanden. Es wurde so Vieles gestoppt und auf Eis gelegt. Mein Alltag bestand aus Studium beenden und für mein Kind sorgen. Ausserdem musste dieser Alltag zuerst neu erschaffen werden. Vielleicht wäre es leichter gewesen, mit Wochenbett, Mutterschutz und genügend Zeit, ohne ein weiteres halbes Jahr Studium, ins neue Leben zu starten. Aber mein Mann und ich haben uns damals entschieden, dass ich das Studium, trotz ungeplanter Schwangerschaft, beende. Zehn Tage nach der Geburt schrieb ich eine Prüfung, direkt danach standen die Bachelor-Arbeit und die Lernphase für meine Abschlussprüfungen auf dem Plan. Wir gingen einfach mit dem Flow – vom einen Extrem ins andere.
Am Tag meiner Abschlussprüfungen muss ich dann wohl mit Kind Nr. 2 schwanger geworden sein.

Plötzlich lebt man 24 Stunden, 7 Tage die Woche für und mit dem Kind.

♥ Unterdessen bist du Dreifachmama. Oft hören wir: „Ein Kind ist keins, die Umstellungen bei einem zweiten Kind sind minim, aber bei Kind Nr. 3 ändert sich sehr viel.“ Unterstützt du diese Aussage?
Ich wusste, worauf ich mich bei unserem dritten Baby einlasse, und dennoch hat sich einiges verändert: Bei meinem ersten Kind musste ich vor allem aktiv an meiner Mutterrolle arbeiten, das fiel beim letzten Kind weg. Die Organisation erreicht bei drei Kindern ein anderes Level, schliesslich möchte niemand freiwillig drei Kinder beaufsichtigen! Ein grösseres Auto muss her, bei der Urlaubsplanung fallen zig Hotels weg und auch die finanzielle Lage veränderte sich nochmals – bei uns war das extrem, da ich mich ja gleichzeitig in die Selbstständigkeit gewagt habe. Ausserdem fehlt bei drei Kindern irgendwie immer eine Hand…
Zum Glück helfen meine beiden älteren häufig mit, wenn der Kleine etwas braucht. Im Gegenzug haben sie (als ältere Schwestern) zwischendurch auch mal mehr Sonderrechte.

Die Organisation erreicht bei drei Kindern ein anderes Level.

♥ Hast du Tipps für andere Mütter?
Gelassenheit! Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine grosse Portion Gelassenheit wünschen.
Insbesondere in den ersten Jahren, die es wirklich in sich haben.
Mein zweiter Tipp an alle Mamas: Hört auf perfekt sein zu wollen! Es hätte mir als Neu-Mama gut getan, meinen Perfektionismus etwas zurückzuschrauben. Sind wir ehrlich, am Anfang war ich schon froh, wenn ich es geschafft hatte, zu duschen. Absoluter Luxus waren fünf Minuten unter der Dusche ohne Begleitung eines Kindes!
Aber es wird besser. Langsam merke ich, wie ich immer mehr Raum und Luft zurück gewinne und Dinge, die mir wichtig sind, wieder mehr ins Zentrum rücken kann.
Mein letzter Tipp: Nehmt Hilfe an! Niemand schafft alles ganz alleine. Meine Kinder haben alle mehrere Bezugspersonen, welche teilweise anderer Meinung sind und Regeln anders handhaben, dennoch klappt es bestens. Dies bezieht sich auch auf den Vater. Er macht es zwar anders, aber das ist gut so. Kinder gehen zum Glück nicht so schnell kaputt. Ich habe ziemlich viele Fehler gemacht und ich bin sicher, dass ich in Zukunft noch einige Fehler machen werde, aber meinen Kindern geht es sehr gut – und das ist die Hauptsache.

♥ Vielen lieben Dank für das tolle Gespräch!

R&L

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11 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben, das ist ein tolles Interview. Das ist mal eine gesunde Einstellung für das Leben mit Kindern und Job.So habe ich es auch versucht und würde es wieder so tun.Aber jeder Mensch ist individuell.Und das ist das Spannende am Leben.Liebe Grüße von Elke

    1. liebe elke
      da hast du völlig recht und genau deshalb lieben wir diese serie: wir sind alle auf unsere art besonders und wir finden es so schön, wenn wir etwas mehr über andere erfahren und uns so ein wenig gegenseitig inspirieren können…
      herzlich re

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